Bielefelder Serienspiel mit Carmen Priego, Doreen Nixdorf, Guido Wachter und Thomas Wolff (von links)

Bielefelder Kommödchen

David Gieselmann: Die Serie im Theater – Sissy Murnau 1

Theater:Theater Bielefeld, Premiere:17.03.2016 (UA)Regie:Henner Kallmeyer

Haben wir den Glauben verloren, den Glauben ans Theater? Zumindest stückweise? Der Stückautor David Gieselmann hat für das Theater Bielefeld „Die Serie im Theater“ geschrieben. Nicht nur in Bielefeld setzen die Theater (nach Filmen und Romanadaptionen) verstärkt auch auf TV-Serien als Stückvorlagen (wir berichteten jüngst über „Borgen“ an der Schaubühne) und verbinden ihr Spiel damit mit der derzeit wohl prägendsten Form der Darstellenden Kunst. Der Name der Serie und ihrer Heldin lautet hier „Sissy Murnau“. Die Hauptfigur wird seit einem Jahr vermisst – von den vier Protagonisten, einem lesbischen Theaterpärchen (Doreen Nixdorf und Carmen Priego) und einem schwulen Pärchen (Guido Wachter und Thomas Wolff), das sich eigentlich aber auf der Suche nach dem imaginären Land Nara befindet. Ist Sissy tot, gar ermordet, wie der klischeehafte Kommissar (auch Thomas Wolff) anfangs vermutet? Dabei enthüllt er, dass alle vier Lebenden ein Verhältnis mit Sissy (und somit ein Mordmotiv) hatten. Oder ist sie in das esoterisch-schwammige Narenland verschwunden, von dem auch der Polizist zu träumen beginnt? Humorige Theaterselbstbeschau, ein wenig Mystery samt Beziehungsdrama und esoterisch-expressionistischer Sinnsuche, viel Krimi sowie etwas boulevardeske Comedy sind die Zutaten für Gieselmanns Stück, vorerst für den ersten knapp einstündigen Teil, dem zumindest drei Teile folgen werden.

Henner Kallmeyer hat den Auftakt im kleinen TAM3 des Theaters Bielefeld souverän inszeniert. Dabei gelingen dem Ensemble ein paar schöne kleine Szenen, wenn etwa das Handy im Jackenfutter verschwunden nur noch über Siri zu bereden ist; auch nutzen die vier Akteure alle verfügbaren Pointen des Textes. Letztlich ist das Spiel aber nichts anderes als ein Theaterulk mit angedeuteten Ausflügen in die Serienwelt. Weder ist die Komik bezwingend, noch können die Gestalten (die Lebenden wie die Verschwundenen) Profil und somit Interesse wecken. Das im ersten Teil zentrale Thema der Sinn- und Glaubenssuche hängt somit in der Luft. Und der Vergleich mit TV-Serien geht noch nicht einmal verloren, er stellt sich bei diesem Kommödchen erst gar nicht. Die Fortsetzung mag also folgen, aber wo das Spiel so wenig berührt oder verwirrt, wird es vermutlich nur eine Folge von drei kleinen Komödien, die den Glauben an das Theater gewiss nicht verstärken. Sei es in Bielefeld oder in Nara.

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