Szene mit Tobias Bode und Stefan Hufschmidt

Bekanntes aus der rechten Szene

Lars Werner: Weißer Raum

Theater:Theater Vorpommern, Premiere:16.03.2019Regie:Reinhard Göber

Der Beginn ist Schweigen und Meeresrauschen. Erst betritt ein älterer Mann, dann ein zweiter die Bühne, sie genießen die Stille, wie es Norddeutsche angeblich tun. Zögerlich der erste Satz: „Was machst du denn hier?“ Dann kicken sie eine Bierdose hin und her, bis von irgendwoher ein Frauenschrei ertönt, Musik erklingt. So beginnt Lars Werners Stück „Weißer Raum“, das natürlich in einer solchen Szenerie spielt, auch weiß möbliert, Podeste, Schrägen, Stühle (Bühne: Stefan Heyne). Am Theater in Greifswald hat es Reinhard Göber inszeniert.

Die Kernszene des Beginns dreht sich um den ersten älteren Mann, Gleiswärter Oli (Mario Gremlich), der angeblich einen Ausländer erschlagen hat, weil der eine deutsche Frau vergewaltigen wollte. Stimmt das oder sind es doch Fake News? Das bleibt offen wie so vieles. Dann besucht ihn die Frau, die er beschützt haben will, Journalistin Marie (Maria Steurich), und will ihn für eine Dresdner Zeitung interviewen, weil die Menschen Helden lieben. Später wieder so ein Merksatz: „Nazis gehen immer.“ Dazwischen meckern die Menschen auf der Bühne, dass es draußen nix Gutes mehr gibt, stimmen die DDR-Parole „Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf“ an und natürlich darf, diesmal aus dem Off, auch „Wir sind das Volk“ nicht fehlen.

Szenisch passiert in diesem Stück wenig, Regisseur Reinhard Göber müht sich redlich, es buchstäblich in Bewegung zu halten. Die acht Darstellerinnen und Darsteller laufen hin und her, im Kreis und andersrum und vor allem schimpfen sie. Damit blickt Lars Werner tief in die teilweise rechte Seele Mecklenburg-Vorpommerns, da wird ein Schreistreit um das Wort „anständig“ ausgetragen, gefragt, ob man „rechtspopulistisch“ oder rechtsradikal“ sagen soll. Auch das bleibt ohne Antwort.

So referiert Lars Werner, mit dem Kleist-Förderpreis 2018 ausgezeichnet, viel Bekanntes aus der rechten Szene, wie man es fast täglich in den Medien sehen und hören kann. Dort wird es bestenfalls analysiert und zugeordnet. Das aber verweigert Werner, der mit dem Titel „Weißer Raum“ auf den „White Space“ der Ausstellungsmacher verweist, in dem die Stücke besonders prägnant zur Wirkung kommen. Natürlich steht hierzulande das Thema „Rechts“ und eher die Stimmung als die Situation im Fokus. Das aber wird zu wenig hinterfragt. Stattdessen singt eine Pfarrerin „Es ist ein Ros‘ entsprungen“ und spricht Erbauliches, die schnieke Bewährungshelferin (beide Rollen: Susanne Kreckel) wirbt den vorbestraften Patrick (forsch-aggressiv: Tobias Bode) als V-Mann an. Am Ende rauscht wieder das Meer, nun aber eher bedrohlich.

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