Ensembleszene

Egoistenchor

Bertolt Brecht: Untergang des Egoisten Fatzer

Theater:Landestheater Eisenach, Premiere:28.03.2018Regie:Marlène Jeffré

Die Masse Mensch macht’s. Dem Chor, der bissig die Handlung und die Zeitläufte kommentiert, treten gleich sieben Fatzers entgegen. Sieben junge Frauen und Männer in langen, schwarzen Mänteln, die meist gemeinsam marschieren und skandieren, erst Anführer, dann Verfolgte. Dieses Konzept legt Regisseurin Marlène Jeffré ihrer Inszenierung von Bertolt Brechts Fragment zu Grunde, die sie mit der Bürgerbühne des Landestheaters Eisenach erarbeitet hat. Das macht Brechts Egoisten individueller, vielgestaltiger, aber auch zu einer Masse, gegen die es die Gegenspieler zunächst schwer haben.

Juliana Dziurla (Bühne und Kostüme) hat ein Stufenpodest als Szenerie entworfen, auf dem – nach heftigen Atemzügen im Dunkeln – Menschen liegen, im Nebel kriechen. „Wir sind verloren“ ist der Satz, der die Stimmung vorgibt in diesem dritten Jahr des Krieges, der hier als düstere Gewalt der Worte daherkommt. „Fatzer, das bin ich“ sagen alle, später „nicht allein ist Fatzer, sondern einer von vielen“. Das variiert die Inszenierung mit Brechts Stück, das hier Fragment mit allen Brüchen bleibt und nicht in einem Zimmer, sondern irgendwo auf der Welt spielt.

Ein gemischter Chor mit Sonnen-Gasmasken-Brillen stellt sich an der Rampe auf, strampelndes Lachen wechselt mit Thesen und Parolen, die auch so verhandelt werden. Mal marschieren sechs Figuren im Takt, eine siebte läuft ihnen entgegen. Dann wieder knallen die Schritte wie Stiefeltritte auf die Bühne, als kommentierten sie Brechts bittere Kriegsklage. Die 19 Akteure der Bürgerbühne „Roter Faden“ exerzieren das präzise, das chorische Sprechen gelingt gut.

Doch irgendwann im Verlauf der 90minütigen Aufführung nutzt sich dieses Mittel auch ab,  müssen sich die Spieler allzu oft in Richtung Publikum an der Rampe orientieren, wo sie sitzen oder stehen und ihre Botschaften verkünden und um Zustimmung heischen. Einige Wechsel der Kostüme – die an Haken aus dem Schnürboden hängen –, Bierdosen, die mal als solche, mal als knackend-knirschender Essensersatz genutzt werden, lockern das strenge Marschier-Reglement etwas auf.

Und ein Einzelner wird gegen Fatzer A bis G langsam, aber stetig stärker: Büsching, ein Anzug-Typ, der die Gegner des/der Egoisten um sich sammelt. Und wenn in dieser Phase der Inszenierung die Figuren individueller werden, aus der mal bezwingenden, mal einschüchternden Masse heraustreten, wird es für die Bürgerbühnen-Spieler schon schwieriger, die Charaktere zu gestalten.

Am Ende sind sich auch die Egoisten nicht mehr einig. Drei Fatzer sind noch übrig, einer wechselt in den Chor, die letzten beiden können sich gegen den nun überlegenen Büsching nicht zwischen Gehen oder Bleiben, Widerstand oder Unterwerfung entscheiden. Und so landen sie, wo sie begannen: Im Kugelhagel des Krieges.

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