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Ambition und Niedergang

Friedrich Hebbel: Die Nibelungen

Theater:ETA Hoffmann Theater Bamberg, Premiere:17.10.2015Regie:Sibylle Broll-Pape

Die erste Inszenierung der Intendanz von Sibylle Broll-Pape am Theater Bamberg ist durchaus ambitioniert. Friedrich Hebbels dreiteiliger deutsches Trauerspiel „Die Nibelungen“ verlangt in der Regie der Intendantin Theater wie Zuschauern mit viereinhalb Stunden (inklusive zwei Pausen) einiges ab. 12 Darsteller spielen großes Drama – ohne Mikroport, mit sparsam eingesetzten Filmprojektionen (Peter Engelbracht und Stephan Komitsch), Musik eher in den Szenenübergängen und wenig Kulissenzauber (Bühne und Kostüme: Rainer Sinell). Lediglich das differenziert eingesetzte Licht schafft auf der weiten Bühne, im Wesentlichen eine sanft nach vorne abfallende Rampe in der Mitte, differenzierte Stimmungen im Sprachspiel. Der Umgang des Ensembles mit Hebbels Versen gelingt  beeindruckend souverän, die Geschichte um die verlogene Brautwerbung Königs Gunther durch Siegfried bei Brunhild und ihre zerstörerischen Folgen für die Ehe Siegfrieds mit Gunthers Schwester Kriemhild und somit für die ganze Herrscherfamilie-Familie wird hier klar und nachvollziehbar szenisch erzählt.

Pascal Riedel ist ein junger, smarter Siegfried, der in der Begegnung mit Kriemhild (Pina Kühr) sympathisch verwirrt wirkt; überhaupt geben die beiden ein inniges und zugleich beschwingtes Liebespaar ab. Auch die tödliche Entzweiung Kriemhilds mit Brunhild (Ronja Losert) wirkt so überzeugend wie folgenschwer. Das Familien- und Beziehungsdrama gelingt in diesen „Nibelungen“ also besonders überzeugend, während die Ritterspiele der Herren zu Beginn weniger glaubhaft sind. Das liegt auch an den zwischen Anzugsmoderne und Ritterzeitanspielungen unentschieden gehaltenen Kostümen. Volker Ringe als unglückseliger Onkel Hagen gelingt es auffallend gut eine gewichtige Figur zu etablieren. Auch durch sinistre Blicke ins Publikum wirkt sein Hagen wie ein Realpolitiker, der Schlimmeres verhindern will und durch seine Skepsis alles nur noch schlimmer macht.

Im dritten Teil dann wagt die Regie über die handwerklich im Wesentlichen tadellose Konzentration der Dramenvermittlung hinaus eine Verbindung der politisch-historischen und privaten Dimensionen. Dietrich von Bern (Iris Hochberger) und der Hunnenkönig Etzel (Katharina Brenner) sind mit Frauen besetzt; sie machen ihre Sache als Frauen in Männerrollen sehr gut, wodurch die männlichen Machtverteilungen in der Politik und die weibliche Rollenzuschreibung als Mütter und Ehefrauen einerseits und der Furor Kriemhilds gegen ihre eigene Sippe andererseits in Frage gestellt werden. Hier wird aus der ambitionierten, aber zugleich soliden Klassiker-Inszenierung auch ein gewagteres Spiel. Während die Burgunder durch ihre übersteigerte Ambition also stürzen, scheinen die Bamberger Theater-Ambitionen durchaus zukunftsträchtig zu sein.

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